Eröffnung der Ausstellung Selektionen I

Ausstellung »Selektionen« im Kunst Werk München

Allgemein

Die drei Künstlerinnen verbindet eines ganz besonders: Sie brennen für die Malerei – für das Abenteuer neue Wege zu erkunden auf die sie das Erfahrungsfeld der Farbe lockt. Dabei ist das ergebnisoffene Experiment stets gepaart mit der inneren Gewissheit einer tragenden Professionalität. Ihre langjährige Kenntnis der Materie lässt sie jedoch nicht erstarren, sondern im Gegenteil, sie führt in immer gewagtere, tiefere Schichten aus denen heraus die drei Künstlerinnen ihre jeweils eigenständige Malerei ausloten, die vom Informel geprägt ist. Davon kann man sich derzeit in der jüngst gegründeten und bereits gut frequentierten Galerie Kunstwerk mitten im Münchner Glockenbachviertel überzeugen, einem charmanten und freundlich geführten Ort, einem echten Geheimtipp!
Die drei Künstlerinnen inspirieren sich gegenseitig beim gemeinsamen Malen, auf Reisen oder beim Schmieden neuer Projektideen. Brachte einst die 1914 unternommene, legendäre Tunisreise besonders für Paul Klee und August Macke den Durchbruch zu einer neuen Farbigkeit und zunehmenden Abstrahierung ihrer Malerei, so sind es auch heute die Gemeinschaften Gleichgesinnter, die künstlerische Entwicklungen in gänzlich neue Richtungen befördern können. Der Betrachter empfindet sehr deutlich die sprühende Energie, die von der Malerei der drei Künstlerinnen ausgeht, bemerkt den Tatendrang und die Lust, sich auf neue Pfade zu begeben.
Konkret äußert sich dies beispielsweise in den jüngeren Arbeiten von Katja Gramann, in denen sie immer weiter in die Reduktion ihrer malerischen Gesten hinein geht, wie im federleichten „Weiß ich!“ und zusätzlich die Farbigkeit auf sehr stimmige Schwarz-, Weiß- Grau- und Erdtöne begrenzt wie in den eindringlichen Mischtechniken „Schichtwerk“ und „Lichter Einfall“. Auch die teils großformatigen, mit feinstem, selbstgefärbtem Chinapapier gestalteten Collagen, führt sie in eine gewaltige Spannung zwischen Leere und Formgebung („Bauchgefühl“). Die abstrakten, in vielfachen Schichtungen angelegten und zuletzt meist mit Wachs überzogenen Kompositionen zeigen vor kontrastreichem Weiß eine stellenweise kraftvolle Farbigkeit, die häufig von schwarzen Formen gehalten wird („Adoleszenz“). Eine besondere Spezialität sind die Kleinstformate, die Gramann in leichtfüßig-durchlässigen, von feinen Farbpigmenten durchzogenen Wachsarbeiten zumeist als Serie entwickelt.
An derartigen Kleinformaten haben auch die beiden anderen Künstlerinnen Freude. Besonders Andrea Rozorea treibt sie so weit in den Raum, dass sie zu Wandobjekten werden, deren breite Bildränder nicht von Rahmen verdeckt, sondern bemalt sind. Verspielt und von kleinen Skizzen durchwirkt, gestaltet sie die Malerei auf Körpern von Holz oder Pappe weiter über die Kanten hinaus. Hier experimentiert sie auch punktuell mit Leuchtfarben und lässt die kleinen Objekte zu strahlenden und lebendigen Akzenten im Raum werden.
Rozoreas emotional aufgeladene Malerei bewegt sich im sensiblen Spiel zwischen süßen und derben Farbnuancen, wie den gebrochenen Grau- und Rosétönen der großformatigen Trilogie „Roses Vermächtnis“, zu der sie ein Gedicht von Rose Ausländer inspiriert hat. Von der Zeichnung her kommend, finden sich entsprechend oft Andeutungen von Figuren, die sich entweder aus einem Gespinst heraus entwickeln, oder als Körperlandschaft mit dem Hintergrund verschmelzen. Mit hochwertigen selbst gemischten Pigmenten, Steinmehlen und Erdfarben erzielt Rozorea stimmige Zwischentöne und reizvolle Strukturen, die zu ihren vielschichtigen, lebendigen Arbeiten führen.
Die Gemälde der Künstlerin Elisabeth Feist wirken auf den ersten Blick sanfter als die ihrer Kolleginnen, denn sie verwendet eine besondere Technik. Feist legt ihre Bilder stark farbig an und überführt sie dann durch mehrfache Übermalungen mit Grautönen und anschließendem Verwischen in ein feines, durchscheinendes Sfumato. Die darunter verborgenen Farben legt sie stellenweise wieder frei, so dass eine spannende Wechselwirkung aus verschwommenem Grund und kontrastreich oder sanft hervorbrechenden Farben entsteht. Assoziationen von tanzenden Blüten und Fischen („Koi-Teich“) stellen sich ein. Ausgeprägte Horizonte bestimmen manche Bilder, teils auch mit treffsicher gesetzten, graphischen Akzenten („Inverno“). Durch Aufdecken und Verwaschen einzelner Felder mit ihrem jeweils spezifischen Untergrund gelingt es der Malerin, wirkungsvolle Stimmungen zu erzeugen (Jahreszeiten-Zyklus). Sie erzielt dabei differenzierte Ergebnisse, denn sie reagiert während des Malprozesses immer wieder neu auf das gerade Entstehende.
Genau betrachtet ist diese Vorgehensweise bei allen drei Künstlerinnen stark ausgeprägt. Sie arbeiten mit dem Prozesshaften, lassen sich intuitiv führen, sind offen für Überraschungen, durchlässig für Ungeahntes und lieben das Experiment. Dadurch zeigt sich ihre Malerei außerordentlich lebendig und zugleich spricht sie die Menschen auf vielfältige Weise an.
Dr. Ingrid Gardill

Elisabeth Feist, Katja Gramann, Andrea Rozorea

Elisabeth Feist, Andrea Rozorea, Katja Gramann

Ausstellung Selektionen

gemeinsam mit den Künstlerinnen Elisabeth Feist | Katja Gramann

www.elisabeth-feist.com | www.katja-gramann.de

Ausstellungsdauer 17.11.-21.12.2018
Vernissage: Samstag, 17.11.2018 von 15:00-18:00 Uhr
Öffnungszeiten: Do.-Fr.: 14:00-17:00 Uhr / Sa.: 11:00-17:00 Uhr

Die drei Künstlerinnen zeigen in den charmanten Räumen der Galerie Kunstwerk im Glockenbachviertel ausgewählte Arbeiten und freuen sich auf ihren Besuch.
Der Eintritt ist frei.

Andrea Rozorea ist zudem am 01.12.,15.12. und 21.12. in der Galerie anwesend.

KUNST I WERK
Holzstraße 1
80469 München
Ausstellungsdauer: 17.11 – 21.12.2018
Öffnungszeiten: Da und Fr 14 -17 Uhr ISa 11 -17 Uhr
www.knstwrk.com